Abenteuer, die Trost spenden und Mut machen

Geschrieben von Martin Glückert.

„Die Brüder Löwenherz“ sind nun nicht gerade ein gefälliger Theaterstoff innerhalb des Gesamtwerks von Astrid Lindgren. Denn die Kinderbuchautorin thematisierte in dem über 40 Jahre alten Roman das Thema Tod. Insoweit war es auch für das Regiegespann bestehend aus Thomas Koch, Veronika Kehl und Friederike Biernat ein Wagnis, das mehrfach ausgezeichnete Buch auf die Bühne zu bringen.

Dieser Mut wurde zurecht mit einem ausgiebigen Applaus belohnt. Denn dem Regie-Team gelang es eindrucksvoll, Lindgrens bemerkenswerte Gedanken zum Thema Tod klar herauszustellen. So findet sich der neunjährige, sterbenskranke Karl Löwe, genannt „Krümel“, keineswegs mit seiner miserablen Situation eines nahenden Todes ab. Vielmehr schöpft das verängstigte Kind Mut, indem es sich auf ein anderes Dasein vorbereitet. Krümel träumt von zahlreichen Abenteuern im Land Nangijala. Indem er diese intensiv erlebt, überwindet er so seine Todesangst. Seine Abenteuer werden für ihn wichtige Trostspender und Mutmacher.

Zu dem gelungenen Theaterabend trugen gleich mehrere Faktoren bei. So kamen wunderbar angefertigte Kostüme zum Einsatz, die von der Fachschaft Textiles Gestalten in mühevoller Arbeit zugeschnitten, genäht und gefärbt wurden. Ebenso waren die raffiniert hergestellten Tauben sowie der aufwändig gefertigte Drache Katla ein echter Hingucker. Thomas Koch bewies hiermit, dass er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Handwerker ganze Arbeit leisten kann. Schließlich ist es auch dem fast 30-köpfigen Schauspielerteam zu verdanken, dass das anspruchsvolle Stück anschaulich inszeniert wurde.

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Schnell wurde der Zuschauer durch das Nebeneinander von Spiel und kurzen Filmszenen in den Bann des ernsten Themas gezogen. Die knappen Filmsequenzen erzählten die zusammengefasste Vorgeschichte des kranken Krümel. Er weiß, dass er bald sterben wird. Doch sein Bruder Jonathan nimmt ihm die Angst vor dem Tod, indem er ihm von Nangijala erzählt, einem Land, in dem man wieder ganz gesund wird. Als jedoch Jonathan und kurz darauf auch Karl sterben, gelangen sie ins Kirschtal im Land Nangijala.

Spätestens ab hier vergisst der Zuschauer, dass es hier um das Thema Sterben geht. Er durchlebt die spannenden Abenteuer, wenn ein Verrat aufgedeckt wird oder wenn die Bewohner des Heckenrosentals sich gegen den Tyrannen Tengil wehren müssen. Beide Brüder beweisen ihr „Löwenherz“, als sie den Widerstandskämpfer Orwar befreien und offen gegen Tengil und Katla kämpfen.

Zwar tragen sie in diesem Abenteuer den Sieg davon, aber Jonathan wird vom Feuer des Drachen berührt, sodass er vollkommen gelähmt ist. Jonathan erzählt Karl, dass es ein weiteres Land namens Nangilima gäbe, in dem er wieder geheilt werden kann. Nun muss Krümel seinen Bruder auf den Rücken nehmen und in die Tiefe springen, wo er schon ein Licht sieht.

Viele der spielfreudigen Akteure konnten problemlos eine zweite oder gar dritte Rolle übernehmen. Als besonders ausdrucksstarke Schauspieler traten Isabel Kuhn als „Krümel“ und Amelie Purschwitz als „Johnathan“ tragend hervor. Eine ausgefeilte und professionelle Technik-Crew rundete das Stück ab.

Wer die gelungene Aufführung noch besuchen möchte, hat dazu am Freitag, den 14.07.2017 um 19.00 Uhr in der Aula der Staatlichen Realschule die letzte Gelegenheit. Die Hälfte aller Spenden geht an das Kinderhospiz „Sternenzelt Mainfranken e.V.“

Die Rollen und ihre Darsteller sind folgende: „Krümel“ oder Karl Löwe: Isabel Kuhn; Jonathan: Amelie Purschwitz; Mutter: Sophia Reinfurt; Nachrichtensprecherin: Elina Ritter; Frauke Petterson: Hanna Richartz; Lehrerin: Serah Hörning; Sophia: Evelyn Weiskopf; Jossi: Timo Havestadt; Frida: Sophia Reinfurt; Kader: Maria Mohr; Veder: Maximilian Reger; Wachen/Soldaten: Selina Böttger, Serah Hörning, Miriam Wehr, Karolin Väth, Cora Bachmann, Angelina Sittler, Eva Brod, Thea Müller; Dorfbewohner: Eva Brod, Thea Müller, Elina Ritter, Maximilian Reger, Serah Hörning, Hanna Richartz, Angelina Sittler, Cora Bachmann, Karolin Väth, Selina Böttger; Tauben: Shauna Böttger, Selina Böttger, Hanna Richartz, Miriam Wehr, Elina Ritter, Janina Gibhardt; Matthias: Maike Hofmann; Dodik: Hanna Richartz; Pjuke: Janina Gibhardt; Tengil: Alissa Reuber; Mann, der aufbegehrt: Shauna Böttger; Orwar: Nicki Schneider; Katla: Thomas Koch, Timo Havestadt; Karm: Hanna Richartz, Sophia Reinfurt, Maria Mohr; Technik: Jonas Eyrich, Cedric Ebeling, Luca Schönlein, Constantin Kraus, Fabio Thoma