Deckel für ein Leben ohne Polio

Geschrieben von Martin Glückert.

Die Kinderlähmung ist in Deutschland praktisch ausgerottet. Dazu hat eine flächendeckende Impfung beigetragen. Aber in anderen Ländern sieht dies ganz anders aus. Beispielsweise kommt in Nigeria, Afghanistan und Pakistan das Virus immer noch vor und infiziert Kinder. Die Poliomyelitis wie die Kinderlähmung in der Fachsprache heißt, ist eine hoch ansteckende Krankheit, deren Erreger vornehmlich Kleinkinder unter fünf Jahren befällt. Doch auch Erwachsene können sich infizieren. Das Virus verursacht dauerhafte Lähmungen und Verkrüppelungen.

Die Infektion verläuft oft tödlich, wenn die Atemmuskulatur befallen wird. Der prominenteste Träger der Krankheit war der US-amerikanische Präsident Theodor Roosevelt.

Es gibt keine Heilung gegen Polio, doch es gibt eine Vorbeugung: Eine Schluckimpfung mit dem Serum, das auf Lebenszeit gegen die Kinderlähmung immunisieren kann. Doch um alle Kinder dauerhaft schützen zu können, müssen die Impfmaßnahmen zu Ende geführt werden. Eine Rückkehr des Virus wäre katastrophal – für alle Kinder dieser Welt.

Um das Geld für Impfungen aufzubringen, ließen sich natürlich Spenden sammeln. An der Realschule Marktheidenfeld nahm man jedoch eine Idee des Rotary Clubs Deutschland auf und sammelt Kunststoffdeckel verschiedener Getränkebehälter. Die Schraubverschlüsse aus Kunststoff bestehen aus Polyethylen, einem hochwertigen Material. Eine Tonne dieses Kunststoffes ist rund 300 € wert. Das Polyethylen der Schraubverschlüsse wird als Recyclingmaterial jedoch kaum genutzt, da es bequemer ist, die „Deckel“ als „Müll“ zu entsorgen. An der Realschule werden diese Deckel in einem aufgestellten Behälter, der gleich neben dem Getränkeautomaten steht, fleißig gesammelt. Sobald der Behälter voll ist, fährt Geschichtslehrer Michael Weid einen Wertstoffhof an und gibt die Deckel ab. Diese bleiben dann dort solange, bis sich ein Weitertransport lohnt. Mit jedem Kilo, das heißt mit 500 Verschlüssen, lässt sich somit eine Impfung gegen Kinderlähmung finanzieren.

Michael Weid meint: „Diese Aktion ist genauso einfach wie sie auch genial ist. Indem hier vermeintlicher „Müll“ gesammelt wird, trägt die ganze Schule zur Bekämpfung der Polio bei.“ Zudem sei kein riesiger Aufwand verbunden. Schließlich sind die Deckel – auch die von zuhause – schnell eingeworfen. Allerdings können Verschlüsse über einer Größe von 4 cm nicht angenommen werden und müssen wieder herausgefischt werden. Insgesamt sind seit Schuljahresbeginn rund eine halbe Millionen Schraubverschlüsse zusammengekommen. Das sind über 100 kg oder besser gesagt 100 Impfungen gegen Kinderlähmung.