Gewachsenes Umweltbewusstsein

Geschrieben von Martin Glückert.

Viele Marktheidenfelder Schüler stehen angesichts der Bewegung „Fridays for future“ vor einem Dilemma. Denn einerseits wollen viele unbedingt etwas für den Klimaschutz tun. Einigen ist ihre Zukunft sogar wichtiger als ein drohender Verweis. Andererseits wollen sie keinen ganzen Tag Schule verpassen und schon gar nicht als Schulschwänzer dastehen. Die SMV (Schüler-Mit-Verantwortung) an der Staatlichen Realschule Marktheidenfeld versuchte diesen Konflikt mit einem vielfältigen Programm zu lösen. Der letzte Schultag, natürlich ein Freitag, wurde zum Aktionstag für den Klimaschutz.

„Sei es bisschen öko!“

In den ersten Schulstunden setzten sich alle Schüler mit den Grundlagen des Treibhauseffektes und des Klimaschutzes auseinander. Dazu hielt Michael Kohlbrecher, der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises, auf Initiative der SMV einen Vortrag. Er stellte deutlich heraus, dass nicht die junge Generation für die Erderwärmung verantwortlich ist und sich deswegen auch nicht schuldig fühlen muss. Aber sie kann und sie muss aktiv für den Klimaschutz etwas tun. Kohlbrecher stellte zahlreiche Stellschrauben im Alltag vor, an denen jeder, also auch ein Schüler, drehen kann. Dabei sollen sich die Kinder ruhig auch in die Belange der Eltern einmischen und von den Erwachsenen fordern auf ein großes Auto oder auf lange Flugreisen zu verzichten. „Steht ruhig dazu, ein bisschen öko zu sein!“, meinte der Klimaschutzbeauftragte. Denn das sei kein Schimpfwort, sondern eine Haltung gegenüber der Natur. Als weiteres Credo vermittelte Kohlbrecher den jungen Menschen, dass ständiger Konsum nicht glücklich mache, sondern vielmehr ständig neue Bedürfnisse und vor allem Abfall produziere.

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Klimaschutz schmeckt

Eine weiterer Baustein der SMV war an diesem Tag die Ausstellung „Klimaschutz schmeckt“. Sie stammt von der Verbraucherzentrale Bayern und vermittelt sehr anschaulich, wie sich über die Ernährung effektiv CO2 einsparen lässt. Die beiden wichtigsten Prinzipien hierbei sind: saisonales und regionales Einkaufen. Wer 1kg Erdbeeren aus Südafrika kauft, muss sich bewusst sein, dass für die Produktion und den Transport rund 5 Liter Erdöl verbraucht werden. Wenn er jedoch bis Juni auf das heimische Obst warten kann, dann verbraucht er lediglich 28 ml. Selbst bei der Zubereitung von Speisen kann jeder Klimaschutz betreiben. Denn eine Portion gekochter Kartoffeln verbraucht 4,5-mal weniger CO2 als dieselbe Portion in Form von Pommes Frittes. Eine noch größere Einsparung lässt sich mit einer pflanzlichen Mahlzeit gegenüber einer Fleischmahlzeit erzielen. Hier wird 8,5-mal weniger Kohlenstoffdioxid ausgestoßen. Forderungen an die Bürgermeisterin Um noch einen Schritt weiterzugehen, luden die Schülersprecher Amelie Rinno, Vin Scheurich und Niklas Weimann, als Vertreter der SMV, Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder ein. An sie wurden konkrete Forderungen gestellt. So soll Marktheidenfeld fahrradfreundlicher werden, es soll die Flächenversiegelung eingeschränkt und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel kostengünstiger werden. Weiterhin wird die Bürgermeisterin gebeten, sich für möglichst umweltfreundliche Neubauten einzusetzen, den Einsatz von Elektrobussen zu fördern und umweltfreundliche Geschäfte auszuzeichnen. Bürgermeisterin Schmidt-Neder nahm die Bitte an, diesen Maßnahmenkatalog in der nächsten Sitzung des Stadtrates vorzustellen. Sie selbst gab ihre deutliche Sympathie für die Bewegung Fridays for future“ offen zu. Allerdings gab sie allen Zuhörern aus den 10. Klassen mit auf den Weg, dass jeder persönlich Umweltbewusstsein im Alltag leben muss: Da gibt es bestimmt fünf Dinge, die sich jeder selbst vornehmen und vor allem auch umsetzen kann. Beispielsweise muss sich jeder überlegen, welchen Weg seine im Internet bestellte Ware zurücklegt.

Befragung in der Altstadt

Am Ende des Schultages fand auch die eigentliche Aktion statt, bei der es dann in die Altstadt ging. Alle Schüler aus den 10. Klassen waren aufgefordert, die Leute in der Fußgängerzone zu befragen. Die Passanten mussten Stellung beziehen, ob sie die Bewegung „Fridays for future“ unterstützen und warum. Weitere Fragestellungen waren: Was ist Ihr Beitrag zu einem umweltfreundlichen Leben? Was machen Sie noch heute, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verbessern? Die Schülersprecher waren erstaunt und erfreut darüber, wie viele Marktheidenfelder mit „Fridays for future“ sympathisieren.

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Auch die vielen guten Beiträge zu einem umweltfreundlichen Leben überraschten die Vertreter der SMV. Eine wichtige Absicht haben die Schülersprecher Amelie, Vin und Niklas mit ihrem Aktionstag auf jeden Fall erreicht. Das Umweltbewusstsein an ihrer Schule und in Marktheidenfeld ist noch weiter gewachsen.