Der Gärtner war es nicht

Geschrieben von Martin Glückert.

Entweder man liebt Krimis oder man kann gar nichts nicht mit ihnen anfangen. Erst recht mit einem Krimi als Theaterstück. Oft ist die Handlung absehbar oder zu stark konstruiert. Völlig anders und vor allem gelungen ging die Theatergruppe der Staatlichen Realschule mit ihrer Kriminalgeschichte um. Sie parodierte den typisch englischen Krimi im Stile des „Whodunit“ („Who has done it?“ zu Deutsch „Wer hat es getan?“). Doch diese Frage wie auch die Handlung stand am Premierenabend nicht im Mittelpunkt. Schließlich vollzieht sich der angebliche, kaltblütige Mord an Sally Claythorne vor den Augen fast aller, die sich beim alljährlichen Familientreffen der Familie Chlaythorne zusammengefunden haben.

Dem Regiegespann um Thomas Koch und Beate Riedel ging es bei diesem erfrischenden Theaterstück um das Schau-Spiel im wahrsten Sinne des Wortes. Ständig konnte der Zuschauer beobachten, wie die Figuren ihre Spielfreude zur Schau tragen durften. Das über 20 Köpfe zählenden Ensemble musste keine Handlung voranbringen und einen Täter überführen, sondern konnte zeigen, über welche schauspielerischen Fähigkeiten es verfügt. Durch die fortlaufenden Missgeschicke und die ständige Sabotage bei der Entlarvung des Täters schufen Koch und Riedel einen großen Freiraum für das Spielen. Das ließ sogar Elemente des Improvisationstheaters zu, da eine völlig unbeteiligte Person auf der Bühne auftrat. Sämtliche Missgeschicke und Fauxpas wurden jedoch nie zum Klamauk. Sie waren wohl gesetzt und erforderten große schauspielerische Präzision und Disziplin. So endet beispielsweise ein „Texthänger“, bei dem ein Dialog zwischen fünf Figuren sechsfach wiederholt wird in einer virtuosen und amüsanten schauspielerischen Darstellung.

DSCN7419 1024Für die nötige Komik sorgten die vielen überraschenden Situationen und der Umstand, dass die Schauspieler selbstironisch mit ihren Rollen umgehen mussten. Alle Akteure zeigten sich textsicher und spielstark. Sehr überzeugend gelang es Florian Schuldt als eigenwilliger Gärtner Lombard und Philipp Bausewein als Butler Peeves aufzutreten. Lombard war übrigens nicht der Täter. Mit einer ausdrucksstarken Mimik und Gestik konnten auch Linda Niedermüller und Alexis Fischer als Lord und Lady Claythorne überzeugen.


Wer sich kurzweilig unterhalten lassen möchte, sollte auf jeden Falls am Freitag, den 24. Mai 2019, um 19.00 Uhr in die Aula der Staatlichen Realschule Marktheidenfeld kommen. Der Eintritt ist wie immer frei.

Personen:
Bühnenarbeiter: Alisa Wittstadt, Luisa Ruckstetter
Souffleuse: Selina Böttger
Lord Claythorne: Alexis Fischer
Lady Claythorne: Linda Niedermüller
Inspektor Wargrave: Maximilian Reger
Peeves (ein Butler): Philipp Bausewein
Lombard (ein Gärtner): Florian Schuldt
Miss Brent (die Köchin): Thea Müller
Nancy (ein Zimmermädchen): Hanna Väth
Nina (ein Zimmermädchen): Elena Krause
Mitglieder der Familie Claythorne:
Charles: Vivyen Liebler
Maggie: Miriam Wehr
Lizzy: Shauna Böttger
Onkel Fester (ein General): Fabian Tandel
Freddie: Benjamin Ebert
Bridget: Hanna Richartz
Clarice: Jagoda Pazera
Sally: Sophia Haupt
Technik: Cedric Ebeling; Noah Rauch, Constantin Kraus, Luca Schönlein, Nele
Müller und Jonas Eyrich