Sicherheitspolitischer Vortrag mit Jugendoffizier Hauptmann Sachße
„Demokratie braucht informierte Bürger“ stand über dem sicherheitspolitischen Vortrag von Jugendoffizier Hauptmann Lukas-Laurin Sachße vor den Zehntklässlern der Staatlichen Realschule. Seine Ausführungen zur aktuellen Sicherheitslage weltweit waren verbunden mit informativen Details zu Vernetzungen und Hintergründen.
In einem Nachrichtenformat wie der „Tagesschau in 100 Sekunden“ habe es noch vor wenigen Jahren vielleicht ein sicherheitsrelevantes Thema gegeben. Mittlerweile hätten die Nachrichten fast ausnahmslos Relevanz für unsere Sicherheit.
Tagesaktuell gab Hauptmann Sachße einen Überblick zum Konflikt um Grönland. Ein gedanklicher Blick auf einen Globus mache erst deutlich, wie nah Grönland sowohl den USA als auch der russischen Föderation sei. Dass der US-Präsident das dänische Hoheitsgebiet nun zu seinem Staatsgebiet machen wolle, liege zum einen am Rohstoffvorkommen, aber auch an dessen geostrategischer Lage. Sachße zeigte sich überzeugt, dass die Folgen des Klimawandels auf das schmelzende Eis der Arktis schon längst Einfluss auf die Sicherheitsinteressen Amerikas hätten, wenn man an neue Schifffahrtswege oder Flugzeugstationierungen denke.
Neben US-Präsident Trump seien im Augenblick Wladimir Putin und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping die wichtigsten Akteure aus Sicht der weltweiten Sicherheitspolitik. Als verbindendes Kennzeichen aller drei Politiker könne die gezielte Manipulation von Informationen genannt werden.

Übertragen auf die Berichterstattung in Deutschland veranschaulichte der Jugendoffizier dies am Beispiel von Schlagworten wie Migration, Gaza, Ukraine: durch gesteuerte, manipulierte Informationsflüsse komme es bei diesen Themen ganz leicht zu Spaltung, Einschüchterung oder Provokation in einer Gesellschaft. Umso mehr hob Sachße das hohe Gut der Presse-, Meinungs- und Informationsfreiheit im Grundgesetz hervor.
Die Vernetzung von Sicherheits-, Wirtschafts- und Finanzpolitik zeigte der Jugendoffizier am Beispiel der Währung eines Landes. Während es in den USA den Goldstandard als Gegenwert zu Schulden und sonstigen Währungswerten nicht mehr gebe, überlege die Volksrepublik China dessen Einführung. Dies würden den Petrodollar (aus Rohölverkäufen) und den Einfluss der USA massiv unter Druck setzen.
Das Ziel von Autokraten sei es, allein und unabhängig zu agieren. Eine Zusammenarbeit mit anderen Autokratien widerspreche zwar diesen Interessen, berge aber den Eindruck von Stärke. Hauptmann Sachße betonte, dass der Angriff des Autokraten Putin auf die Ukraine nicht ohne weitere Autokraten möglich gewesen sei. Am aktuellen Frontverlauf erläuterte er die Kriegsführung zwischen beiden Nationen.
Zugespitzt formulierte der Jugendoffizier die Bundeswehr als „Feuerlöscher, die Brände im Notfall löschen könnte, die hoffentlich nie entflammen“. Die Auseinandersetzung in der Ukraine zeige, dass auch Kriegsführung immer neuen Entwicklung unterliege, denen man sich als Bundeswehr anpassen müsse. Eine herausragende Bedeutung als Waffen nehmen Drohnen ein. Als möglicher „Feuerlöscher“ müsse sich die Bundeswehr daher auf den Einsatz von Drohnen spezialisieren. Wie viele man davon anschaffe und welche Priorität der Wehretat im Bundeshaushalt grundsätzlich bekomme, sei eine gesellschaftspolitische Frage.
Als „nicht mehr ganz Frieden, aber auch noch nicht ganz Krieg“ habe unlängst Generalinspektor Carsten Breuer den Zustand Deutschlands beschrieben. In ähnlicher Weise sei dies auch von Bundeskanzler Merz und Verteidigungsminister Pistorius zitiert worden. Mit dieser These forderte Sachße die Schüler auf, ihre eigene Wahrnehmung von Frieden zu reflektieren. Mehr denn je seien die Bundesbürger aufgefordert, sich positionieren zu müssen. Leitfragen des Hauptmanns an die Schüler lauteten: Wird man mit Waffenlieferungen an die Ukraine Teil des Konflikts? Stimmt man der militärischen Unterstützung zu? Ist die Rolle Russlands in diesem Konflikt ausschließlich schlecht?
Eine Dienstreise durch Europa habe Hauptmann Sachße die unterschiedliche Einordnung des Ukraine-Kriegs gezeigt. Während die Länder Süd- und Westeuropas diesem Konflikt weniger Aufmerksamkeit widmeten, fühle man sich in den osteuropäischen und skandinavischen Ländern durch die unmittelbare Nähe ernsthaft bedroht. Der Jugendoffizier skizzierte den Schülern das Szenario, wenn aufgrund einer allgemeinen Bedrohungslage in den Schulen plötzlich Waffenkunde als Unterrichtsfach eingeführt würde.

Fotos: Steffen Baumann
Zum Zitat „noch nicht ganz Krieg“ erläuterte Sachße das sicherheitspolitische Schlagwort „hybride Kriegsführung“. Durch gezielte Sabotage, beispielsweise an Unterseekabeln, Spionage, oder dem Verbreiten von Desinformationen könne man heute Angriffe auf Gesellschaftssysteme ganz ohne den Einsatz militärischer Waffen erreichen. Das Beispiel USA zeige, dass die Verlässlichkeit auf bisher sicher geglaubte Bündnissysteme wie die NATO überdacht werden müsse. Das politische Spektrum in Deutschland und den europäischen Nachbarn zeige das Erstarken europafeindlicher Parteien. Sollten diese in politische Verantwortung gelangen, werde die Handlungsfähigkeit der EU in ihrer bisherigen Ausrichtung geschwächt.
Jugendoffizier Sachße betonte am Ende seiner Ausführungen, dass viele der genannten Punkte gefühlt weit weg von der Lebensrealität der Schüler lägen. Er sei sich aber sicher, dass die genannten sicherheitspolitischen Fragen die kommenden Generationen unmittelbar betreffen werden.
Da politische Diskussionen heute leider immer mehr zu Spannungen und Spaltungen unter Menschen führten, bis in den Freundes- und Familienkreis, appellierte der Jugendoffizier an die Schüler: Unterschiedliche Meinungen seien zulässig und völlig legitim. Man sollte aber trotzdem zum Austausch fähig sein, dem anderen zuzuhören und seine eigene Position sachlich darlegen können.